Unangenehme Fragen im Bewerbungsgespräch
Vorbereitung ist alles!
Wenn Personaler aus der Reserve locken wollen
Glückwunsch, du hast die erste Hürde des Bewerbungsverfahrens gemeistert und bist zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Doch plötzlich kommen unangenehme Fragen auf dich zu, auf die du lieber verzichtet hättest. In solchen Momenten ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und strategisch zu antworten. Hier sind einige Ratschläge, wie du auf solche Fragen professionell reagieren kannst, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen und das Bewerbungsgespräch zu meistern.
Was ist ihre größte Schwäche?
„Ich arbeite zu motiviert und zu hart“ – solche Antworten wirken oft unglaubwürdig und sind bei Personalverantwortlichen weit verbreitet. Es ist besser, diese Frage ehrlich zu beantworten, ohne jedoch zu erwähnen, dass du schon mal geschwänzt hast, am Arbeitsplatz zu viel plauderst oder Anweisungen ignorierst und ein Autoritätsproblem hast. Eine Alternative wäre, von beruflichen Schwächen abzulenken und persönliche Defizite anzusprechen, wie etwa die Unfähigkeit zu kochen, dass Zimmerpflanzen regelmäßig eingehen oder du dein Musikinstrument vernachlässigst. Am überzeugendsten ist es jedoch, Schwächen zu nennen und gleichzeitig zu betonen, dass du aktiv daran arbeitest, diese zu verbessern.
Beispiel: "Ich bin manchmal nervös, wenn ich vor vielen Menschen sprechen muss. Deshalb habe ich in der Schule extra ein Referat mehr übernommen, um darin sicherer zu werden." Das zeigt Selbstreflexion und Lernbereitschaft.
Warum diese schlechte Note?
Eine besonders unangenehme Frage kann die nach einer schlechten Note auf dem Zeugnis sein. Hierbei musst du ruhig bleiben, denn so eine Frage soll dich nur aus der Reserve locken, um zu schauen, wie du mit wirklich unangenehmen Themen umgehst – keine Sorge, solche Fragen sind nicht der Normalfall!
Was du nicht tun solltest, ist die Schuld auf die Schule oder auf die Lehrkräfte zu schieben. Das wirkt so als ob du dich aus der Verantwortung ziehen willst. Stattdessen kannst du auf andere Arten und Weisen reagieren. Wenn das Fach nicht relevant für den Beruf ist, kannst du ehrlich zugeben, dass es dir nicht liegt und dass dich andere Fächer einfach mehr interessieren. Hierbei hast du nochmal eine Chance die Aufmerksamkeit auf deine Stärken zu lenken.
Wenn du aber eine schlechte Note in den Fächern hast, die für die Ausbildung relevant sind, dann übernimm die Verantwortung und zeige, dass du Lernbereit bist und dir im Rahmen der Ausbildung extra Mühe geben wirst, um dir die Inhalte drauf zu schaffen.
Sie scheinen öfter die Stelle zu wechseln?
Die Zeiten, in denen man sein gesamtes Berufsleben bei demselben Arbeitgeber verbrachte, sind längst vorüber. Häufige Jobwechsel werden zwar oft von Personalverantwortlichen thematisiert, doch gibt es keinen Grund, sich für einen vielfältigen beruflichen Werdegang zu schämen. Betone stattdessen, dass du durch deine Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen eine breite Palette an Kenntnissen erworben hast, die du nun in die neue Position einbringen möchtest. Deine Bewerbung bei diesem Unternehmen ist daher die logische Fortführung deines Karrierewegs und verspricht, für beide Parteien vorteilhaft zu sein.
Wie unterscheiden wir uns von anderen ausgeschriebenen Stellen?
Abstreiten bringt nichts, denn es ist unrealistisch, dass du dich nur auf eine Stelle beworben hast. Daher solltest du eine einfach Antwort finden und das Gespräch schnell wieder auf die aktuelle Stelle zu lenken, indem Sie erläutern, warum du dich für diese Position und dieses Unternehmen interessierst. Schaue dir im Vorfeld die "Über uns" Seite des Unternehmens an, lies dir die Firmen-Philosophie durch und merke dir 1-2 Punkte, auf die du dich berufen kannst. Das kann zum Beispiel so etwas sein, wie:
"Das langjährige Engagement Ihres Unternehmens im Bereich Sozialer Gerechtigkeit ist für mich ein starker Antrieb, denn mir liegt das Thema am Herzen und ich möchte es durch meine Arbeit voranbringen."
Trag nicht zu dick auf und lüge nicht. Suche dir etwas aus, was das Unternehmen einzigartig macht und womit du dich identifizieren kannst - es gibt immer etwas.
Wie würden Sie die Stelle besetzen?
Mit dieser Frage zielen Personaler darauf ab, zwei wesentliche Punkte zu klären. Einerseits offenbart deine Antwort, welche Aspekte du für die Position als entscheidend erachtest und andererseits lässt sich erkennen, ob du diese Kriterien selbst erfüllst. Es ist ratsam, sich auf zwei bis drei Schlüsselaspekte zu konzentrieren: „Ich bin der Ansicht, dass ausgezeichnete Kommunikationsfähigkeiten und fachliche Expertise für diese Stelle ausschlaggebend sind, weil... Aus diesem Grund habe ich mich für diese Position bei Ihrem Unternehmen beworben, denn...“ Wenn du die von Ihnen angeführten Kriterien in deinen Bewerbungsunterlagen oder im persönlichen Gespräch nachweisen kannst, stehen deine Chancen gut.
Wie würden Sie sich einschätzen: flexibel oder stur?
Obwohl vielen Menschen der Begriff "flexibel" sofort in den Sinn kommt, kann diese Frage eine versteckte Falle darstellen. Abhängig von der angestrebten Position könnte eine andere Antwort erwartet werden. Flexibilität und Beharrlichkeit können, je nach Kontext, unterschiedliche Aspekte deiner Persönlichkeit hervorheben. Fragen wie "Sind Sie zeitlich flexibel?" oder "Sind Sie moralisch flexibel?" können ohne weitere Präzisierung nicht adäquat beantwortet werden. Es ist ratsam, bei den Personalern nachzufragen, wie sie die Frage genau meinen, anstatt vorschnell zu antworten. Es ist angemessen zu sagen, dass du je nach Situation mal mehr, mal weniger flexibel bist. Bei deinen Grundwerten solltest du jedoch konsequent bleiben, während du bei der Arbeitsweise deine Anpassungsfähigkeit betonen kannst.
Fragen, bei denen die Antworten zunächst so eindeutig erscheinen, erfordern oftmals eine differenzierte Antwort. Nimm dir Zeit und versuche die scheinbar "einfache" Frage aus einer smarten Perspektive zu betrachten.
Wie erklären Sie die Lücke im Lebenslauf?
Wenn du nach der Schule ein Jahr lang „nichts“ gemacht hast, fragen Personaler nach. Deswegen solltest du überlegen, wie du auf eine solche Frage antwortest, da es wahrscheinlich ist, dass hier nachgebohrt wird.
Umdeuten: „Nichts machen“ gibt es nicht. Warst du auf Reisen? Hast du gejobbt? Hast du dir Skills beigebracht (z. B. Programmieren, eine Sprache, künstlerisches Schaffen)? Hast du ein Praktikum gemacht? Es gibt immer etwas zu tun.
Beispielformulierung: „Ich habe die Zeit nach dem Abschluss genutzt, um mich beruflich zu orientieren und verschiedene Bereiche durch Kurzpraktika/Online-Kurse zu prüfen, damit ich mir heute sicher sein kann, dass diese Ausbildung die richtige für mich ist.“
Du hast wirklich nur auf der faulen Haut gelegen: Sei ehrlich und sage, dass du die Zeit für dich gebraucht hast, um zu reifen und um zu wachsen. Wichtig ist, dass du jetzt hier bist und dich für diesen Beruf entschieden hast. Du blickst nach vorne und willst die Chance vor dir ergreifen.
Das "Warum" erkennen
Das Prinzip hinter den Fragen ist leicht zu verstehen, sodass du deine Antwort darauf abstimmen oder schnell anpassen kannst. Bewahre die Ruhe und nutze diese drei grundlegenden Techniken, um souverän zu antworten:
Atme durch
Bleibe gelassen und lasse dich nicht vom Tempo des Interviewers drängen. Es ist immer angemessen, sich Zeit für die Beantwortung der Fragen zu nehmen – auch wenn es keine fünf Minuten sein müssen. Achte auf deine Atmung und darauf, nicht zu schnell zu sprechen. So wirkst du nicht so aufgeregt und kannst gleichzeitig deinen Blutdruck senken. Mit mehr Sauerstoff im Gehirn finden sich oft auch klügere Antworten.
Stelle interessierte Rückfragen
Bewerber nutzen selten die Gelegenheit, Rückfragen zu stellen. Viele sind zu nervös, andere halten es nicht für passend. Doch gute Rückfragen zeigen, dass du das Thema verstanden hast, dich in der Situation wohlfühlst und ehrliches Interesse an der Stelle hast. Auch Fragen zur Klärung oder zum Vertiefen zeigen, dass du das Thema verstehen möchten.
Engagiere dich im Gespräch
In Interviews, die darauf abzielen dich gründlich zu prüfen, können einige Fragen seltsam oder ungewöhnlich erscheinen. Ziel ist es, dich aus der Komfortzone zu holen und mehr über dich zu erfahren. Du solltest dir jedoch nicht alles gefallen lassen – Deine Grenzen müssen von den Personalern respektiert werden. Solange du dich noch wohlfühlst, solltest du dich auf das Gespräch einlassen. Betrachte es als ein sportliches Kräftemessen, bei dem selbstsichere Antworten die beste Verteidigung darstellen.
Habe passende Anekdoten bereit
Wer spontan humorvoll sein kann, gewinnt schnell die Sympathie der Menschen. Wer das nicht kann, sollte seine Anekdoten im Voraus planen und den Witz mehrmals üben. Manche Fragen sind unvorhersehbar, auf andere kann man sich vorbereiten. Wenn du dazu noch eine passende Anekdote parat hast, stehen deine Chancen gut.
Diese Fragen musst du nicht beantworten!
Viele Jugendliche wissen nicht, dass sie bereits im Bewerbungsgespräch durch das Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz – AGG geschützt sind.
- Tabu-Themen: Fragen zu deiner Religionszugehörigkeit, deiner politischen Einstellung, deiner Familienplanung (Schwangerschaft) oder deiner sexuellen Orientierung sind nicht zulässig.
- Dein Recht zu lügen: Du darfst bei unzulässigen Fragen auch theoretisch lügen, ohne dass es später Konsequenzen für dich hat.
- Eleganter Ausweg: Statt aggressiv zu reagieren („Das dürfen Sie nicht fragen!“), kannst du charmant ausweichen:
„Ich denke nicht, dass meine Religionszugehörigkeit einen Einfluss auf meine handwerklichen Fähigkeiten hat. Finden Sie nicht auch?“ Gerade die Gegenfrage am Ende zeugt davon, dass du dich unter Kontrolle hast und über deine Rechte informiert bist. Das macht einen seriösen Eindruck.
Sie schaffen das!
Jetzt hast du eine Vorstellung davon, welche Fragen auf dich zukommen könnten. Es ist vorteilhaft, zunächst tief durchzuatmen und überlegt zu antworten. Wenn du daran denkst, wirst du das Gespräch sicherlich mit Erfolg führen.
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