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Müdigkeit und Motiva­ti­ons­schwund in der Ausbildung

Kommuni­kation schützt vor Konflikten

Langeweile und Müdigkeit in der Ausbildung

Müde, gelangweilt, unmotiviert? Was kann man dagegen machen?

Es ist noch nicht einmal Mittag und die Müdigkeit setzt bei den Azubis ein. „Alles nur Schlaf­mützen!“ So heißt es schnell. „Und motiviert sind die heute auch nicht mehr!“ Dabei können Müdigkeit, Langeweile und Motiva­ti­ons­schwund während der Ausbildung auch auf andere Ursachen zurück­geführt werden. Noch viel wichtiger: Sie können durch entspre­chende Anpassungen auch reduziert werden, sodass die Leistungs­fä­higkeit wieder steigt und die Azubis Lust auf ihre Ausbildung haben.

Zunächst gilt es festzu­halten, dass Jugendliche sich noch in einer körper­lichen Entwick­lungsphase befinden, in der der Körper mehr Schlaf benötigt und gerade bei monotoner Arbeit dazu neigt gedanklich abzudriften und müde zu werden. Kaffee kann helfen, kann aber auch dazu führen, dass noch unkonzen­trierter gearbeitet und man leichter abgelenkt wird. Betriebe sind also gut beraten, wenn sie sich darauf einstellen und mit Mitteln entgegen­wirken, die richtig helfen. Der erste Schritt

Frühzeitiges Erkennen hilft

Anzeichen von permanenter Langeweile oder Müdigkeit während der Ausbildung, Konzen­tra­ti­ons­schwie­rig­keiten, eine hohe Fehlerquote und mangelnde Motivation bei der Arbeit sind schnell zu finden. Zu kurze Nächte und zu frühes Aufstehen müssen, führen auch öfter dazu, dass es zu Verspä­tungen kommt, die von den Ausbil­denden natürlich gar nicht gerne gesehen werden. Doch auch dauerhaft monotone Arbeiten auszuführen, senkt die Bereit­schaft Leistung zu zeigen. Einige Azubis lehnen in bestimmten Situationen das Arbeiten sogar ganz ab – ein gelber Schein wird eingereicht. Das ist kein Optimal­zustand, weder für die Azubis, die lernen wollen und sollen, noch für den Betrieb, der auf die Kraft angewiesen ist und investiert hat. Stress und Konflikte sind praktisch vorpro­grammiert, doch es gibt einen Umgang mit diesem Verhalten.

Konflikte auf der Arbeit - karrieremag.de

Klarheit durch Kommuni­kation

Wenn es dauerhaft, aufgrund von fehlender Motivation, zu Konflikten kommt, steht die Beendigung der Ausbildung schnell im Raum. Dabei sind offene Worte auf beiden Seiten oftmals viel hilfreicher, um zu verstehen, was das Problem ist. Was brauchen junge Menschen? Was erwartet der Betrieb und wie lassen sich diese beiden Ziele vereinbaren? Das Gespräch ist der erste Schritt.

Natürlich müssen Jugendliche in der Lage sein ihren Schlaf­rhythmus selbst zu regeln. Doch Unternehmen sind gut beraten, wenn sie eindrücklich vermitteln, warum es wichtig ist, ausgeschlafen und fit zur Arbeit zu erscheinen. Tipps für eine klare Abend- und Morgen­routine können helfen. Wichtig ist, dass solcherlei Hinweise nicht bevormundend kommuniziert werden, sondern neutral formuliert werden und auf die Lösung der aktuellen Belastung hinweisen.
Doch gerade, wenn es nicht so leicht änderbare Umstände sind, die die Azubis immer wieder müde werden lassen – sowohl innerhalb des Betriebes als auch außerhalb – muss darüber offen gesprochen werden, damit man gemeinsam zu einer Lösung kommen kann. Ist der Weg zu lang und der ÖPNV zu unzuver­lässig? Sind die Aufgaben zu monoton oder unverständlich? Gibt es Konflikte mit den Kollegen? All das muss besprochen werden, da der Frust sonst nur in sich hinein­ge­fressen wird und dazu führt, dass die Resignation einsetzt.

Auch sollte darüber aufgeklärt werden, inwiefern gesunde Ernährung, Sport und guter Schlaf sich positiv auf den Schlaf auswirken kann. Natürlich wollen junge Menschen auch lange wach bleiben, doch sich dann wegen des Schlaf­mangels am nächsten Tag mit Energy­drinks und Kaffee immer wachhalten zu müssen, ist auf Dauer nicht gesund.

Manchmal liegt die Unkonzen­triertheit auch an privaten Gründen. Diese müssen nicht in voller Tiefe besprochen werden, allerdings ist es sinnvoll, wenn beide Seiten – Azubi und Unternehmen – über entspre­chende Verhältnisse informiert sind, da so ausgeschlossen werden kann, dass ein mögliches Fehlver­halten durch Böswil­ligkeit oder fehlender Lust an der Ausbildung entstanden ist.

Richtig helfen: Klare Strukturen und Ansprech­partner

Gerade in der Anfangszeit, wenn Jugendliche sich noch unsicher im Betrieb bewegen und generell Angst haben Fehler zu machen, muss eine Atmosphäre des Vertrauens geschaffen werden. Sonst wird bei Fehlern oder Unwissenheit schnell „Pause gemacht“ anstatt sich Hilfe zu holen. Dieser Leerlauf führt zu Langeweile und lässt eigentlich motivierte Jugendliche, wie Schlaf­mützen aussehen.

Eine niedrig­schwellige Anlauf­stelle für Fragen und Probleme kann viele Probleme beheben. Offene und freundliche Kommuni­kation erhöht maßgeblich die Bereit­schaft sich bei Fragen, Problemen und Leerlauf an die Auszubil­denden zu wenden.

Vermeidung von Unter- und Überfor­derung: Einige Ausbilder meinen es zu gut, wenn sie ihren Schütz­lingen vermeintlich einfach Aufgaben zuteilen. Zu einfach darf es aber nicht sein, da sonst Langeweile und somit auch schnell die Müdigkeit einsetzt. Bei der Überfor­derung verhält es sich ähnlich. Wurde eine Aufgabe nicht richtig verstanden und ist kein Ansprech­partner in der Nähe, ergreifen viele Azubis nicht die Initiative. Die Folge ist Nichtstun, bis dann doch jemand kommt und sieht, wie der Azubi „faulenzt“. In diesem Fall ist es sinnvoll regelmäßig zu fragen, ob die Aufgabe verstanden wurde (nicht mit einem „Ja“ abwiegeln lassen, sondern erklären lassen, was gemacht werden soll) und immer als Anlauf­stelle bei Fragen verfügbar zu sein.

Klärende Gespräche können unbequem sein

Handys bei der Arbeit? Verbindliche Absprachen helfen.

Die Ausbildung grundlegend anders als die Schulzeit. Anstatt mit seinen Freunden Spaß zu haben, muss man ein Werkstück bearbeiten, sich durch Excel-Tabellen klicken oder andere monotone Aufgaben machen. Unternehmen müssen dabei einsehen, dass die jungen Gehirne nach Abwechslung und zeitgleich nach kleinen Pausen gieren. Da ist der Griff zum Handy sehr verlockend.

Ein Handy-Verbot bei der Arbeit? Das ist für junge Menschen oftmals gar nicht so einfach, da sie als Digital Natives mit dem konstanten Online-Sein aufgewachsen sind. Dennoch braucht es eine klare Regelung am Arbeitsplatz, damit die Zeit nicht nur vertrödelt, sondern auch für die Arbeit genutzt wird. Eine Regelung die für viele Unternehmen komisch erscheinen mag: Regelmäßige Handypausen, in denen für einen kurzen Moment der Drang ans Handy zu gehen, befriedigt werden kann. Wichtig: Klare Absprachen. Die Nachrichten der Freunde und Familie zu prüfen ist ok, auf Social Media unterwegs sein, sollte aber während der Arbeitszeit vermieden werden.

Lernen spannend gestalten

In der Ausbildung soll gelernt werden. Allerdings muss der Lernstoff auch auf die richtige Art und Weise vermittelt werden. Dicke Wälzer, die zähe Texte beinhalten, sind nicht sonderlich attraktiv, um komplexe Sachverhalte zu erlernen. Auch ist hundert­faches, stumpfes Wiederholen nicht der Weg, um mit Spaß bei der Sache zu sein. Es braucht aktivierende Ausbil­dungs­me­thoden, die Jugendliche dort abholen, wo sie stehen. Dafür braucht es eine gute Aufbereitung und Erklärung der einzelnen Schritte und sinnvolle Möglich­keiten zur Wieder­holung einzelner Arbeits­schritte. Um die Beteiligung zu fördern, darf auch etwas zugetraut und Selbstän­digkeit gefordert werden, doch als Fallback sollten Ausbilder immer in der Nähe sein.

Unternehmen sollten unterstützende Angebote anbieten, aber auch darauf bestehen dürfen, dass Azubis Initiative zeigen, wenn es darum geht Mängel aufzuholen. Um Hilfe zu vermitteln, sollten die Betriebe regelmäßig auf Erklärungen und Nachhil­fe­an­gebote  hinweisen.

Für Unternehmen empfiehlt es sich daher regelmäßig Gespräche über die Stärken und Schwächen der einzelnen Azubis zu führen und gemeinsam auf eine Lösung hinzuar­beiten. Dabei ist beidseitiges Wohlwollen eine entscheidende Einstellung, um den gesamten Prozess erfolgreich zu gestalten

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Der lästige Arbeitsweg

Verschlafen und dann zu spät bei der Arbeit. Das passiert jedem einmal. Dennoch sollte das kein Dauerzustand sein. Gerade im ländlichen Raum, wo der ÖPNV eine langsamere Taktung hat, kann es sein, dass „pünktlich sein“ heißt, dass man unverhält­nismäßig früh aufstehen muss. Hierbei können Puffer- und Gleitzeiten eine einfach Lösung sein, damit man zwar nicht um Punkt 06:00 auf der Matte steht, dafür aber vielleicht um 06:17 ausgeschlafen und bereit ist, um anzupacken. Solange man noch keinen Führer­schein hat, können feste Zeiten eh ein Problem sein. Unternehmen sind gut beraten, auf dieses "Problem" wohlwollend einzugehen.

Fazit: Auch Schlaf­mützen können motiviert werden

Auch Lehrlinge, die anfangs als "Schlafmütze" wirken, können mit der richtigen Unterstützung und einem struktu­rierten, wertschät­zenden Ansatz ihr Potenzial entfalten. Geduld, klare Kommuni­kation und indivi­duelle Förderung sind der Schlüssel zu einer erfolg­reichen Ausbildung. Wie so oft, ein Gespräch kann helfen und sollte immer der erste Schritt sein.

Autor Heiko Wohlgemuth
Heiko Wohlgemuth
Gründer von karrieremag.de

„Kein Ausbil­dungsplatz in Deutschland soll unbesetzt bleiben.“

Veröffentlicht: 27.01.2026

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