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Schwächen im Vorstel­lungs­ge­spräch: Beispiele, die ehrlich klingen

Sieben echte Schwächen mit Formulierung. Damit bleibst du ehrlich und wirkst trotzdem stark.

Jugendliche sitzt am Fenster und notiert sich ihre Antwort auf die Frage nach Schwächen im Vorstellungsgespräch

„Und was sind Ihre Schwächen?“ Kurz wird es still. Du willst ehrlich sein, aber du willst dich auch nicht selbst aus dem Rennen werfen. Genau diese Frage nach den Schwächen im Vorstel­lungs­ge­spräch macht vielen am meisten Bauchweh.

Keine Sorge. Der Betrieb sucht keinen fehler­freien Menschen. Er sucht jemanden, der sich selbst kennt und an sich arbeitet. Stell dir die Frage wie einen Blick in den Spiegel vor: Du zeigst kurz, was du siehst, und dann, was du dagegen tust.

Wir haben dir sieben Schwächen zusammen­ge­stellt, die bei Schüle­rinnen und Schülern oft vorkommen. Zu jeder gibt es einen Satz, mit dem du sie ansprechen kannst. Such dir die aus, die wirklich zu dir passt.

Warum Betriebe nach Schwächen im Vorstel­lungs­ge­spräch fragen

Die Frage wirkt fies, ist aber meistens freundlich gemeint. Dein Gegenüber will dich besser verstehen.

Drei Dinge interes­sieren den Betrieb: Kannst du dich selbst einschätzen? Bist du ehrlich? Und gehst du Probleme an? Eine Schwäche ist also eine Einladung, genau das zu zeigen. Was Personaler sonst noch wissen wollen, liest du in Was wollen Personaler?

Unser Merksatz dafür: Schwäche plus Beispiel plus Gegenmittel. Drei Sätze, mehr braucht es nicht.

Sieben Beispiele für echte Schwächen

Jetzt wird es konkret. Lies die Beispiele in Ruhe und frag dich bei jedem: Erkenne ich mich da wieder? Dann pass die Formulierung an dein Leben an.

Ungeduld

Du willst Ergebnisse sehen, und zwar sofort. Das ist ein guter Antrieb, kann aber zu Flüchtig­keits­fehlern führen. „Ich bin oft ungeduldig und will schnell fertig werden. Deshalb kontrolliere ich meine Arbeit inzwischen bewusst noch einmal, bevor ich sie abgebe.“

Lampen­fieber vor Gruppen

Vor der Klasse zu reden, fällt vielen schwer. Das ist menschlich und lässt sich trainieren. „Wenn ich vor vielen Leuten spreche, werde ich nervös. Ich übe meine Referate deshalb vorher laut zu Hause, und es klappt jedes Mal ein bisschen besser.“

Aufschieben

Die Hausaufgabe am Sonntagabend kennt fast jeder. Wichtig ist, dass du einen Plan dagegen hast. „Ich schiebe ungeliebte Aufgaben gern auf. Seit einem halben Jahr schreibe ich mir jeden Abend drei Dinge für den nächsten Tag auf, das hilft mir sehr.“

Unordnung

Ein chaotischer Schreibtisch ist kein Weltun­tergang, im Job zählt aber, dass du Dinge wieder­findest. „Ordnung ist nicht meine Stärke. Für die Schule habe ich mir deshalb feste Mappen für jedes Fach angelegt, seitdem fehlt mir kein Arbeitsblatt mehr.“

Schwer Nein sagen

Wer allen helfen will, verliert manchmal die eigenen Aufgaben aus dem Blick. „Ich sage oft Ja, wenn mich jemand um Hilfe bittet, auch wenn ich selbst viel zu tun habe. Ich lerne gerade, erst meine Sachen fertig zu machen und dann zu helfen.“

Unsicherheit am Telefon

Viele Jugendliche schreiben lieber, als anzurufen. Im Betrieb klingelt das Telefon trotzdem. „Telefo­nieren mit Fremden kostet mich Überwindung. Ich habe für diese Bewerbung selbst angerufen, um das zu üben.“ Tipps dazu findest du in Telefonangst und Tipps, wie du sie überwindest.

Rechtschreibung

Eine schulische Schwäche ist völlig in Ordnung, solange sie den Beruf nicht im Kern trifft. „Bei der Rechtschreibung mache ich noch Fehler. Ich lasse deshalb jede Mail und jeden Text durch die Rechtschreib­prüfung laufen und lese ihn einmal laut.“ Für eine Ausbildung wie Kaufmann oder Kauffrau für Büroma­nagement zeigt das, dass du das Problem kennst und angehst.

Was du besser nicht sagst

Manche Antworten klingen schlau, gehen aber nach hinten los. Personaler hören sie jeden Tag und merken sofort, wenn etwas auswendig gelernt ist.

Ist „Ich bin Perfek­tionist“ eine gute Antwort?

Eher nicht. Die Antwort gilt als verstecktes Selbstlob und wirkt einstudiert. Wenn du wirklich zu genau arbeitest, erzähl ein konkretes Erlebnis und sag, was du daraus gelernt hast.

Darf ich sagen, dass ich keine Schwächen habe?

Das solltest du lassen. Jeder Mensch hat Schwächen, und die Antwort wirkt überheblich oder unvorbe­reitet. Nenne lieber eine kleine, echte Schwäche mit Gegenmittel.

Vorsicht auch bei Schwächen, die genau das treffen, was der Beruf verlangt. Wer Koch werden will, sollte Unpünkt­lichkeit eher verschweigen und lieber an ihr arbeiten. Wer im Büro anfängt, sollte Zahlen nicht als lästig bezeichnen. Was in welchem Beruf zählt, zeigt dir der Unterschied zwischen Hard Skills und Soft Skills.

So bleibst du ehrlich und wirkst trotzdem stark

Ehrlichkeit ist dein bester Schutz. Eine erfundene Schwäche fällt spätestens bei der Nachfrage auf. Eine echte kannst du mit Leichtigkeit erklären, weil du sie kennst.

So gehst du vor: Frag zwei Menschen, die dich gut kennen, was dich manchmal ausbremst. Eltern, Freunde, eine Lehrkraft. Such dir dann eine Schwäche aus, an der du schon arbeitest. Schreib deine drei Sätze auf und sag sie einmal laut. So klingen sie am Ende nach dir.

Was mache ich, wenn nachgefragt wird?

Dann erzählst du einfach weiter. Nenne ein Beispiel aus Schule, Verein oder Nebenjob und beschreibe, was sich seitdem verändert hat. Eine kleine Denkpause ist dabei völlig okay.

Und wenn eine Frage kommt, die zu privat wird? Dafür gibt es klare Grenzen, die wir in Unangenehme Fragen im Bewerbungs­ge­spräch erklären. Wie du dich im Gespräch insgesamt gut zeigst, ohne zu übertreiben, liest du in Zeigen, was du kannst, ohne zu nerven.

Fazit: Wer seine Schwäche kennt, hat schon gewonnen

Bei den Schwächen im Vorstel­lungs­ge­spräch geht es um Selbst­kenntnis. Der Betrieb will sehen, dass du dich einschätzen kannst und an dir arbeitest. Wähle eine echte, kleine Schwäche, die den Beruf nicht im Kern trifft. Belege sie mit einem Beispiel und erzähl, was du dagegen tust. Lass Floskeln wie Perfek­tio­nismus weg und bleib bei deiner eigenen Geschichte. So wird aus der unange­nehmsten Frage ein Moment, in dem du zeigst, wer du bist. Du schaffst das, und wir freuen uns mit dir!

Autor Heiko Wohlgemuth
Heiko Wohlgemuth
Gründer von karrieremag.de

„Kein Ausbil­dungsplatz in Deutschland soll unbesetzt bleiben.“

Veröffentlicht: 26.10.2026

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